Um mich kurz vorzustellen: Ich

verbringe seit 1993 einen erheblichen Teil meiner Freizeit ehrenamtlich beim
Technischen Hilfswerk oder kurz THW und bin dort als Gruppenführer der
Fachgruppe Elektroversorgung eingesetzt. Seit 1997 habe ich den Führerschein
Klasse 2 und bin nach einem Lehrgang 2001 an der THW-Bundesschule Neuhausen
auch als Bereichsausbilder HH-Bergedorf für das Kraftfahrwesen tätig.
Die Elbeflut im August 2002 lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
stärker als je zuvor auf das THW. Auch Michael

ergriff das Helfersyndrom,
doch statt Geld zu spenden entschied er sich dafür mit den eigenen Händen
zu helfen. So stand er eines Abends, nach seiner Arbeit, auf der Dienststelle
des THW Hamburg-Bergedorf im Sollredder in Wentorf bei Hamburg...
"Ich
will mithelfen bei Euch!"
"Klar gerne, was kannst Du denn?"
"Ich habe mal Elektriker gelernt."
"OK, dann kommst Du in die
Elektrogruppe. Da ist Dein Gruppenführer (das war und bin ich), viel
Spass!"
Das ist zwar stark gekürzt aber doch
die Quintessenz. Nachdem wir einige Sätze gewechselt hatten stellte ich
fest, das Micha toll in unsere Gruppe passt. Es kamen einige Dienste und am
22.10.2003 dann ein erster
ernsthafter
Einsatz:
Ein Güterzug war entgleist, Hunderte von Tonnen Schrott und Waggons lagen
auf den Gleisen. Die Schadensstelle mußte ausgeleuchtet werden, eine
Grossaufgabe die gemeinsam mit den beiden Fachgruppen Beleuchtung (Eimsbüttel
und ÖGA Harburg) geleistet wurde. Mehrere hundert Meter Gleise und ein
grosser Parkplatz wurden hell erleuchtet, damit die Aufräumarbeiten auch
Nachts nicht unterbrochen werden müssen. Bei der Länge der zu beleuchtenden
Strecke stellte sich die Frage, woher so viele Stative nehmen? Eigentlich
unsinnig, wo doch so viele schöne Masten der wegen des Unglücks
abgeschalteten Oberleitung direkt an den Gleisen stehen...
Während andere noch planten und überlegten, fanden Micha und ich
uns kletternderweise oben auf dem ersten Mast wieder. In der jeweils freien
Hand Scheinwerfer, Seile, Spanngurte und Verlängerungskabel.
Zwei Doofe, ein Gedanke! In dieser luftigen, kühlen
und gar nicht so bequemen Umgebung gab ein flotter Spruch den anderen. Die
Arbeit war schnell getan und hatte ein tolles Ergebnis. Die Mitarbeiter der
Bahn freuten sich ausserordentlich über die tolle Beleuchtung die Ihnen
das Leben deutlich erleichterte!
Michael und ich merkten das 1+1=2 ist. Auch bei späteren Ereignissen
wurde oft deutlich das wir über vieles gleich denken und in den gleichen
Augenblicken das gleiche sagen oder tun. Da denkt man doch unwillkürlich
an Zwillinge, halt "Twins"!
Es gab damals oben auf den Masten aber auch kaum noch Zeit zum überlegen,
schliesslich waren wir beide als Kraftfahrer für die Ausfahrt der THW-Jugend
nach Wismar eingeplant. Nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf ging es also
ab nach Mecklenburg-Vorpommern, natürlich zum dortigen THW. Hier fand
sich wieder eine Bestätigung für den Sinn des Lebens: Fahren im
Unimog. Der leichtfertige Umgang der Wismarer Kameraden mit Ihrem 7.5 to "MOG"
und unsere "Fachkentnisse" über Fahrzeuge mit mehr als einem
Hebel und mehr als 5 Gängen führte dazu das sowohl Micha als auch
ich schwupps zum Fahrer aufstiegen. Damit war dann wohl die endgültige
Infektion mit dem MOG-Virus vollzogen...
Die Meinung das ein Unimog ein absolutes MUSS im
Leben ist teilten wir spätestens seit dieser Ausfahrt endgültig.
Eine weitere Impfung in Sachen MOG-Virus ergab sich im November 2003 aus der
verrückten Idee, einfach mal eine Kraftfahrerschulung in das Unimog-Werk
zu verlegen. Die berühmte Geburtsstätte Gaggenau, das hochmoderne
LKW-Werk Wörth und die vielleicht bekannteste Kiesgrube der Welt: Ötigheim.
Ein echter Männer-Spielplatz. Wir besuchten bei dieser Gelegenheit auch
den Unimog-Händler Merex in Gaggenau und dessen Worte "Unimog fängt
bei eckig an…nehmt einen mit Kran und keinen Hubsteiger" blieben
uns im Gedächtnis haften. Mehr dazu später in einem separatem Bericht!
Micha war schon immer der aktivere Web-Surfer von uns beiden und so bombardierte
er mich in den folgenden Monaten mit Links, Bildern und Kommentaren zu diversen
Verkaufsanzeigen, vermutlich um sein Fieber etwas besser zu beherrschen. So
ganz das richtige war es aber nie und ausser einer Probefahrt in einem sehr
restaurierungsbedürftigen U406 ("Unimog fängt bei eckig an...")
kam nicht viel dabei raus...
Die Zeit verstrich und Ende

Dezember
2003 kam die „Geburtsurkunde“ von BigBlue in Form einer e-Mail
mit einigen Fotos... Der Text beschränkte sich auf "Das isser!!".
Viel Reden war eben noch nie die Stärke von Micha! Der Satz sagte
aber auch wirklich alles aus, und ER war es wirklich. In Nienburg an der
Weser stand bei einem LKW-Verwerter ein grünes Monstrum mit den dicksten
Reifen die ich je auf einem Unimog gesehen hatte und respekteinflössenden
Zwillings-Scheinwerfern. Hinten, gaaanz hinten, da wo er hingehört,
saß noch ein schicker Kran drauf, dazwischen eine superkurze Ladefläche
Marke Eigenbau. Boaaaaaaahhh! Mit einem mulmigen Gefühl und um viele
Tausend Euro erleichtert wachte ich am 19.12.2003 von diesem Traum wieder
auf. Ich befand mich am Lenkrad eines Unimogs der sich brüllend mit
fast 100km/h gen Hamburg bewegte und zur Hälfte meiner war. Die Fahrerfrage
war damals schnell geklärt, unser Baby hatte nämlich etwas viel
Speck auf den Hüften. Eine spätere Messung ergab ein Leergewicht
von 7,86 Tonnen und auch die zulässige Gesamtmasse von 11,2 Tonnen
fordert einen Lkw-Führerschein den damals nur ich besass. Im Gegenzug
muß ich aber zugeben, dass der Kran für mich ein Buch mit sieben
Siegeln war, während Micha ihn vom ersten Tag an mühelos beherrschte.
Mit dem MOG ging es direkt zur Weihnachtsfeier der E-Gruppe, die uns direkt
und ohne zu zögern bestätigte, daß wir völlig durchgeknallt
seien. Andere springen vom Fernsehturm mit ´nem Gummiband um die Füsse,
ist das etwa normal?
Die offizielle Verkopplung der beiden Worte "MOG" und "TWINS"
wurde später auf einem von Micha bestelltem T-Shirt das erste Mal vollzogen.
Die Präsentation vor dem Rest der Mannschaft gab ein grosses Gelächter.
Mittlerweile sind wir beide bekannt für unkonventionelle, schnelle Lösungen.
MACHEN und nicht lang Quatschen! Getreu nach meinem Lieblingsmotto von Erich
Kästner: Es gibt nichts Gutes außer man tut es!
Auch wenn man hier und da mal aneckt, wo gehobelt wird da fallen nun mal Späne.
So, jetzt wisst Ihr warum WIR die MOGTWINS sind und uns durch alle Höhen
und Tiefen durchwühlen. Manchmal mit Allrad, auch mal mit eingelegten
Sperren aber immer mit dem nötigen Ernst, der dazugehörigen Portion
Spass an der Sache und vielen verrückten Ideen.
Detlef
20.02.08 (dd)